Kempen. „Diese beiden Häuser sind Symbol dafür, ältere Menschen nach Hause zu führen.“ Bürgermeister Christoph Dellmans findet beim Richtfest des Von-Broichhausen-Ensembles im Neubaugebiet Kempen-West die richtigen Worte. Rund 150 Gäste werden Zeuge, wie 357 Tage nach dem ersten Spatenstich zwischen den zwei 13 Metern hohen viergeschossigen Gebäuden Haus Martin und Haus Thomas der Richtkranz hochgezogen wird und Ober-Polier Paul Miller vom Gerüst im zweiten Stock den Richtspruch vorträgt:
Dass sich unsres Wunsches Wille
Möglichst auch im vollen Maß
Mit des Herrgotts Hilfe erfülle,
leer‘ ich darauf dieses Glas!
Ganz in Scherben soll‘s zerspringen!
Jeder Splitter mög‘ dann auch
Recht viel Glück dem Haus noch bringen
So will es des Handwerks Brauch.
Viele kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus, als Norbert Rath vom Investor CONESTA und Jürgen Brockmeyer vom Betreiber Stiftung Hospital zum Heiligen Geist verkünden, dass im Herbst bereits die ersten120 Bewohner des alten Von-Broichhausen-Stiftes umziehen in den neuen Stifts-Campus am Schmeddersweg. „Am 15. Juni 2026 übergeben wir als erstes Haus Martin an die Stiftung, am 31. August folgt Haus Thomas“, berichtet Norbert Rath, Technischer Senior-Projektleiter der Kölner Unternehmensgruppe CONESTA. Rath stellt beim Festakt alle Firmen und Partner inklusive der Stadtwerke Kempen vor, die den Herkulesakt fast schon in Windeseile abwickeln und auch beim Richtfest keine Spur von Ermüdung zeigen. Ehrlicher Applaus bei den Gästen für so viel Fleiß, Geschick, bauplanerische Weitsicht und strategisches Können seitens der Poliere, Architekten, Techniker, Fachbetriebe und Bauarbeiter. Besonders hervor hebt Rath die Leistung des Büros m.a.b. architekten becker & partner mbb mit Architekt Martin A. Becker.
Stiftungs-Vorstandsvorsitzender Jürgen Brockmeyer vergisst in seiner Ansprache nicht den Dank für die enorme Mehrarbeit und die große Leistungsbereitschaft an die Pflegeteams, die Hauswirtschaft, die Haustechnik und die Verwaltung der Stiftung, die in Kempen neben dem Von-Broichhausen-Stift noch das St. Peter-Stift betreibt. Brockmeyer deutet den nicht immer leichten Weg von der Idee vor ca. zehn Jahren bis zum Richtfest an, der nur durch ein ein harmonisches Zusammenwirken von Investor, Betreiber, Stadt und Behörden zum weithin sichtbaren Zeichen einer Erfolgsstory geworden ist. Denn im Laufe des Jahres 2027 werden auf dem 1,4 Hektar großen Stifts-Campus 164 vollstationäre Pflegeplätze zur Verfügung stehen, darunter 20 für die Kurzzeitpflege.
Jürgen Brockmeyer spricht auch den Meilenstein an, den die beiden neuen Pflegeheime für eine mittelgroße Stadt wie Kempen bedeuten. Sicherlich seien die Neubauten mit Blick auf mehr als 600 Jahre Stiftungsgeschichte, auf die er mit „einer gewissen Demut“ blicke, lediglich eine Zwischenstation. „Aber manchmal fällt in eine solche Zwischenstation etwas hinein, das alles andere übertrifft. Und genau das sind diese neuen zwei Pflegeeinrichtungen.“
Holger Schuster, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung, bringt die vergangenen einschneidenden Monate mit den Worten „wir haben nach gründlicher Planung Bleistift und Spitzer übergeben an Schaufel und Spitzhacke“ salopp auf den Punkt. Und wagt mit einem Augenzwinkern einen Ausblick auf die ersten Monate nach der Inbetriebnahme der Häuser: „Unsere beiden Neugeborenen werden sicher die ersten Kinderkrankheiten erfahren.“
Bürgermeister Christoph Dellmans bedankt sich insbesondere beim anwesenden Landrat Bennet Gielen, dass der Kreis Viersen mit seinem Sozialamt alle Ampeln für attraktive und leistungsfähige Altenpflegeheime auf Grün gestellt und in gemeinsamer Anstrengung mit Stadt und Kirche als Träger der Stiftung Einzigartiges für Kempen möglich gemacht hat. Den Satz, dass das Von-Broichhausen-Ensemble weit draußen liegt, entkräftet Dellmans mit dem Hinweis auf das St. Peter-Stift. Als diese Einrichtung im Kempener Süden vor 25 Jahren bezogen wurde, war es gefühlt für viele Kempener auch jwd. „Heute ist das Empfinden ein völlig anderes, nachdem dort ein pulsierendes Neubaugebiet fertiggestellt worden ist.“
All diese Gedanken lassen die geladenen Gäste aus Politik und Verwaltung, Stiftungs-Mitarbeitende, Behördenvertreter und Bürgerschaft bei einem schmackhaften Imbiss vom Stiftungs-Caterer Keppner im künftigen Speisesaal Revue passieren und genießen den Blick auf die Wiesen des Kempener Westens, wo demnächst rund um den Stifts-Campus Wohnhäuser, Schulen, Kindergärten, Straßen und Parks gebaut werden. Das Von-Broichhausen-Ensemble hat das Tor geöffnet für eine entscheidende städtebauliche Weiterentwicklung der Thomasstadt.
Während Ober-Polier Paul Miller vom Gerüst des Rohbaus von Haus Thomas mit seinen Polieren Mahmut und Saban Jasarevic den Richtspruch vorträgt, schauen rund 150 Gäste zwischen den beiden Häusern zu, wie der Richtkranz vom Krahn hochgezogen wird.